Oxidativer Stress
Was ist oxidativer Stress?
In unserem Körper entstehen ständig reaktive Sauerstoffverbindungen, sogenannte reaktive Sauerstoffspezies (ROS). Sie entstehen im normalen Zellstoffwechsel und übernehmen wichtige biologische Funktionen, beispielsweise bei der Immunabwehr und der zellulären Signalübertragung.
Gleichzeitig verfügt der Körper über ein komplexes antioxidatives Schutzsystem, das reaktive Verbindungen kontrolliert und begrenzt.
Wenn die Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen die antioxidativen Schutzmechanismen übersteigt, kann das Gleichgewicht gestört werden. Dies wird als oxidativer Stress bezeichnet.
Anhaltender oxidativer Stress kann Lipide, Proteine und DNA verändern und ist an zahlreichen biologischen Alterungs- und Krankheitsprozessen beteiligt.
Was beeinflusst oxidativen Stress?
Das Gleichgewicht zwischen oxidativen und antioxidativen Prozessen wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst.
Dazu gehören unter anderem:
- Rauchen
- intensive UV-Strahlung
- Entzündungsprozesse
- verschiedene Erkrankungen
- Ernährung und Mikronährstoffversorgung
- körperliche Belastung
- Umweltfaktoren
Auch intensive sportliche Belastung kann vorübergehend zu einer verstärkten Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen führen. Diese Reaktion ist nicht grundsätzlich schädlich, sondern kann Teil der normalen Anpassung des Organismus an körperliche Belastung sein.
Kann man oxidativen Stress im Labor bestimmen?
Oxidativer Stress ist ein komplexer biologischer Prozess. Es gibt deshalb keinen einzelnen Laborwert, der den gesamten oxidativen Status des Körpers zuverlässig abbildet.
Verschiedene Laborparameter können jedoch unterschiedliche Teilbereiche untersuchen. Dazu gehören beispielsweise Marker oxidativer Veränderungen, antioxidative Enzymsysteme und die Versorgung mit Mikronährstoffen, die für antioxidative Schutzsysteme benötigt werden.
Die Kombination verschiedener Parameter ermöglicht deshalb einen differenzierteren Blick als die Betrachtung eines einzelnen Laborwertes.
Welche Laborparameter können untersucht werden?
Bei Mein Dianovis stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung, die unterschiedliche Bereiche des oxidativen und antioxidativen Stoffwechsels abbilden.
Totaler antioxidativer Status (TAS)
Der totale antioxidative Status beschreibt die zusammengefasste antioxidative Kapazität einer Probe. Dabei werden verschiedene antioxidativ wirksame Bestandteile gemeinsam erfasst.
Der TAS liefert damit eine übergreifende Information über die antioxidative Kapazität, erlaubt jedoch keine Aussage darüber, welcher einzelne Bestandteil für einen erhöhten oder erniedrigten Wert verantwortlich ist.
Glutathionperoxidase (GPx)
Glutathionperoxidasen gehören zu den wichtigen enzymatischen antioxidativen Schutzsystemen des Körpers. Sie tragen dazu bei, Wasserstoffperoxid und organische Hydroperoxide abzubauen.
Für die Funktion bestimmter Glutathionperoxidasen ist Selen erforderlich. Die Bestimmung der GPx-Aktivität kann deshalb Informationen über einen Teil des körpereigenen antioxidativen Enzymsystems liefern.
Malondialdehyd (MDA)
Malondialdehyd entsteht unter anderem bei der oxidativen Schädigung mehrfach ungesättigter Fettsäuren und wird deshalb als Marker der Lipidperoxidation verwendet.
Die Interpretation hängt allerdings wesentlich von der verwendeten Messmethode und der Präanalytik ab. MDA ist daher kein alleiniger diagnostischer Nachweis für oxidativen Stress, sondern ein Parameter zur Beurteilung oxidativer Lipidveränderungen.
Vitamin C und Vitamin E
Vitamin C und Vitamin E gehören zu den antioxidativ wirksamen Vitaminen.
Vitamin C ist ein wasserlösliches Antioxidans, während Vitamin E insbesondere in lipidreichen Strukturen wie Zellmembranen antioxidative Funktionen übernimmt.
Die Bestimmung kann Aufschluss über die individuelle Versorgung mit diesen Vitaminen geben.
Selen
Selen ist ein essentielles Spurenelement und Bestandteil verschiedener Selenoproteine. Dazu gehören auch Glutathionperoxidasen, die eine wichtige Funktion im antioxidativen Schutzsystem besitzen.
Mit der Bestimmung des Selenstatus kann die Versorgung mit diesem essentiellen Spurenelement beurteilt werden.
Zink
Zink ist ein essentielles Spurenelement und Bestandteil zahlreicher Enzyme und Proteine. Es trägt unter anderem zur normalen Funktion des Immunsystems und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei.
Die Laborbestimmung ermöglicht eine Beurteilung der Zinkversorgung.
Homocystein
Homocystein entsteht als Zwischenprodukt im Aminosäurestoffwechsel. Seine Konzentration wird unter anderem durch Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6, die Nierenfunktion, Alter, genetische Faktoren und verschiedene Medikamente beeinflusst.
Homocystein ist kein spezifischer Marker für oxidativen Stress. Ein erhöhter Wert kann jedoch zusätzliche Informationen über den Stoffwechsel liefern und sollte im Zusammenhang mit den übrigen Laborparametern beurteilt werden.
Welche Erkrankungen stehen mit oxidativem Stress in Zusammenhang?
Oxidative Prozesse sind Gegenstand intensiver medizinischer Forschung und spielen bei zahlreichen physiologischen und pathophysiologischen Vorgängen eine Rolle.
Veränderungen verschiedener Marker des oxidativen Status wurden unter anderem im Zusammenhang mit
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen,
- chronischen Entzündungsprozessen,
- neurodegenerativen Erkrankungen,
- Tumorerkrankungen und
- Alterungsprozessen
beschrieben.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Ein veränderter Marker des oxidativen Status beweist keine dieser Erkrankungen und ermöglicht keine Vorhersage, ob eine solche Erkrankung entstehen wird. Oxidative Veränderungen können sowohl Ursache als auch Folge biologischer und krankheitsbedingter Prozesse sein.
Für wen können die Untersuchungen interessant sein?
Die Bestimmung ausgewählter Parameter kann interessant sein, wenn Du
- mehr über Deinen oxidativen und antioxidativen Stoffwechsel erfahren möchtest,
- Deine Versorgung mit antioxidativ relevanten Mikronährstoffen überprüfen möchtest,
- Deine Ernährung oder Supplementierung gezielt beurteilen möchtest oder
- ausgewählte Werte im Verlauf beobachten möchtest.
Gerade weil oxidativer Stress nicht durch einen einzelnen Laborwert beschrieben werden kann, ist eine gezielte Auswahl und gemeinsame Betrachtung verschiedener Parameter sinnvoll.
Was kann ich selbst für meine antioxidativen Schutzsysteme tun?
Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen liefert zahlreiche Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
Regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichende Erholung und insbesondere der Verzicht auf Rauchen unterstützen ebenfalls einen gesundheitsförderlichen Lebensstil.
Nahrungsergänzungsmittel sollten dagegen nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel“ eingenommen werden. Eine gezielte Bestimmung einzelner Mikronährstoffe kann helfen, die persönliche Versorgung besser einzuschätzen und eine Supplementierung gezielter zu planen.
Untersuchung bei Mein Dianovis
Zur differenzierten Beurteilung verschiedener Bereiche des oxidativen und antioxidativen Stoffwechsels stehen bei Mein Dianovis folgende Laborparameter zur Verfügung:
- Totaler antioxidativer Status (TAS)
- Glutathionperoxidase (GPx)
- Malondialdehyd (MDA)
- Homocystein
- Vitamin C
- Vitamin E
- Selen
- Zink
Die Parameter erfassen unterschiedliche Aspekte und sollten deshalb nicht als einzelne „Diagnosewerte“, sondern im jeweiligen Zusammenhang betrachtet werden.
Mit einer gezielten Auswahl dieser Laboruntersuchungen erhältst Du einen differenzierten Einblick in Deinen oxidativen und antioxidativen Stoffwechsel und kannst ausgewählte Bereiche Deiner Mikronährstoffversorgung objektiv beurteilen lassen.
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