Parvovirus B19 (Ringelröteln) in der Schwangerschaft
Das Virus
Das Parvovirus B19 ist ein sehr kleines (lateinisch ‚parvum’ für ‚klein’) beim Menschen vorkommendes Virus. Es wurde 1975 bei asymptomatischen Blutspendern entdeckt. Der Name B19 stammt von der Probe eines Blutspenders, die mit dem Code „B19“ gekennzeichnet wurde.
Wie verbreitet sich das Virus ?
Die Parvovirus B19-Übertragung erfolgt nur von Mensch zu Mensch. Das Virus wird durch Tröpfchen über die Atemwege verbreitet. Auch eine Übertragung durch Hand-zu-Mund-Kontakt, Speichel, Blut oder Blutprodukte ist möglich. Größte Ansteckungsfähigkeit besteht während der Virämie (Virusausbreitung im Blut) und vor dem Auftreten von Symptomen. Während der Schwangerschaft kann das Virus bei aktiver Infektion der Mutter transplazentar (über den Mutterkuchen) auf den Fötus übertragen werden. Das größte Risiko an einer akuten B19-Infektion zu erkranken, entsteht durch erkrankte Kinder im häuslichen Umfeld.
Wann kommt es zu Infektionen oder Ausbrüchen?
Parvovirus B19-Infektionen können jederzeit auftreten. Ausbrüche kommen jedoch saisonal gehäuft im Winter und Frühjahr vor. Bei Ausbruch wurden Ansteckungsraten von 25 bis 50 % im schulischen und häuslichen Bereich verzeichnet.
Wer ist infektionsgefährdet?
Alle Personen ohne Immunschutz – altersabhängig sind dies bis zu 60 % der Bevölkerung. Bis zu 50 % der Frauen im gebärfähigen Alter sind nicht immun (geschützt) und somit für eine Parvovirus B19-Infektion empfänglich. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei Kinderbetreuungs- und Schulpersonal.
Parvoviren in der Schwangerschaft
Parvovirus B19 ist der Erreger der bekannten und relativ harmlosen Kinderkrankheit Erythema infectiosum (Ringelröteln, sog. fünfte Kinderkrankheit).
Auch Erwachsene und somit auch Schwangere können an Parvoviren erkranken. Die meisten akut infizierten schwangeren Frauen sind asymptomatisch, d.h. sie zeigen keine Krankheitssymptome.
Einige leiden möglicherweise an grippeähnlichen Symptomen, an Exanthem (Hautausschlag) oder Arthralgien (Gelenkschmerzen).
Eine maternale (mütterliche) Parvovirus B19 Infektion in der Schwangerschaft kann jedoch zu ernsthaften Komplikationen für das Ungeborene (Fötus) führen. Die Infektion kann beim Fötus
• Anämie (Blutarmut),
• Hydrops fetalis (Gewebswassereinlagerungen)
• Spontanabort (spontane Fehlgeburt)
Ein besonders hohes Risiko besteht von der 10. bis zur 20. Schwangerschaftswoche. Nach akuter Infektion der Schwangeren entstehen die Symptome im ungeborenen Kind meist zwei bis sechs Wochen verzögert, gelegentlich auch einige Wochen später.
Diagnostik
Schwangere können über Antikörperbestimmungen ihren Immunstatus feststellen. Positive IgG-Antikörper bei negativen IgM-Antikörpern zeigen eine bereits früher durchgemachte B19-Infektion an (sog. Durchseuchungstiter). Immunschutz ist dann vorhanden und deshalb besteht keine Gefahr für das ungeborene Kind. Bei Kontakt mit erkrankten Personen bist du geschützt.
Sind die IgG- und IgM-Antikörper negativ, dann liegt kein Immunschutz vor. Bei Kontakt mit erkrankten Personen sollte dann eine serologische Kontrolle nach 1-2 Wochen erfolgen.
Lassen sich positive IgM-Antikörper mit oder ohne IgG-Antikörper nachweisen, so besteht der Verdacht auf eine frische Infektion. In diesem Fall sind weitere Untersuchungen in Absprache mit deinem behandelnden Arzt erforderlich (z.B. Parvovirus- IgG- und IgM-Blot, Parvovirus-Avidität, PCR zum Nachweis von Virus-DNA).
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Prophylaxe und Therapie (Vorsorge und Behandlung)
Bei fehlendem Immunschutz sollte in der Schwangerschaft möglichst Kontakt mit Parvovirus-Erkrankten vermieden werden.
Auf strenge Hygiene und Desinfektion sollte bei Erkrankung eines Kindes im eigenen Haushalt geachtet werden.
Eine spezielle Therapie gibt es nicht. Zur Zeit steht auch keine Impfung zur Verfügung. Bei einer eventuellen Infektion erfolgt eine engmaschige Überwachung des ungeborenen Kindes durch deinen Gynäkologen.
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