Parvovirus B19 (Ringelröteln) in der Schwangerschaft
Was sind Ringelröteln?
Ringelröteln sind eine durch das Parvovirus B19 verursachte Infektionskrankheit. Sie treten besonders häufig bei Kindern auf, können aber Menschen jeden Alters betreffen.
Die Übertragung erfolgt vor allem über Tröpfchen beziehungsweise respiratorische Sekrete. Besonders ansteckend sind Infizierte bereits vor Auftreten des typischen Hautausschlags. Wenn der charakteristische Ausschlag sichtbar wird, nimmt das Ansteckungsrisiko in der Regel bereits deutlich ab.
Für Schwangere sind insbesondere Kinder im eigenen Haushalt sowie der berufliche Kontakt zu Kindern wichtige mögliche Infektionsquellen.
Welche Beschwerden verursacht eine Infektion?
Eine Parvovirus-B19-Infektion kann völlig unbemerkt verlaufen.
Mögliche Beschwerden sind:
- leichtes Fieber
- Kopf- und Muskelschmerzen
- Hautausschlag
- Gelenkbeschwerden
Bei Kindern ist der typische Ausschlag mit geröteten Wangen und später ringelförmigen Hautveränderungen bekannt.
Erwachsene und insbesondere Schwangere zeigen jedoch nicht immer dieses typische Bild. Ein Teil der Infektionen verläuft ohne erkennbare Symptome. Deshalb kann eine Infektion allein anhand der Beschwerden weder sicher erkannt noch ausgeschlossen werden.
Warum ist Parvovirus B19 in der Schwangerschaft wichtig?
Eine erstmalige Parvovirus-B19-Infektion während der Schwangerschaft kann auf das ungeborene Kind übertragen werden.
Die intrauterine Übertragungsrate liegt bei etwa 30–50 %. Wichtig ist jedoch: Die Mehrzahl der fetalen Infektionen hat keine negativen Folgen für das ungeborene Kind.
Das Risiko für fetale Komplikationen ist insbesondere in der ersten Hälfte der Schwangerschaft erhöht. Weniger als 10 % der mütterlichen Infektionen in den ersten 20 Schwangerschaftswochen führen zu fetalen Komplikationen; nach der 20. Schwangerschaftswoche ist dieses Risiko mit unter 1–2 % deutlich geringer.
Parvovirus B19 befällt bevorzugt Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen. Beim ungeborenen Kind kann dadurch in seltenen Fällen eine ausgeprägte fetale Anämie entstehen. Mögliche Folgen sind ein Hydrops fetalis und in schweren Fällen ein Verlust der Schwangerschaft.
Ein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen wurde nach einer Parvovirus-B19-Infektion in der Schwangerschaft dagegen nicht nachgewiesen.
Bin ich bereits geschützt?
Nach einer durchgemachten Parvovirus-B19-Infektion besteht in der Regel eine lebenslange Immunität.
In Deutschland besitzen etwa 60–70 % der Frauen im gebärfähigen Alter bereits Antikörper gegen das Virus.
Ob Du bereits eine Infektion durchgemacht hast, lässt sich durch die Bestimmung von Parvovirus-B19-IgG-Antikörpern feststellen.
Der Nachweis von IgG-Antikörpern bei fehlendem Hinweis auf eine aktuelle Infektion spricht für eine zurückliegende Infektion und bestehende Immunität.
Was bedeuten IgG und IgM?
Für die serologische Untersuchung werden insbesondere zwei Antikörperklassen bestimmt:
Parvovirus-B19-IgG
IgG-Antikörper entstehen nach einer Infektion und bleiben in der Regel lebenslang nachweisbar.
IgG positiv bei IgM negativ spricht in der Regel für eine früher durchgemachte Infektion und bestehende Immunität.
Parvovirus-B19-IgM
IgM-Antikörper entstehen im Zusammenhang mit einer frischen Infektion.
Ein positiver IgM-Nachweis kann deshalb auf eine aktuelle oder kürzlich zurückliegende Infektion hinweisen und erfordert insbesondere in der Schwangerschaft eine weitere fachgerechte Einordnung.
Was bedeutet ein negativer Antikörpertest?
Sind IgG und IgM negativ, bestehen zum Untersuchungszeitpunkt keine nachweisbaren Antikörper gegen Parvovirus B19.
Das bedeutet grundsätzlich, dass keine Immunität nachgewiesen ist und eine Infektion möglich bleibt.
Nach einem sehr kurz zurückliegenden Kontakt ist allerdings zu beachten, dass die Blutentnahme noch während der Inkubationsphase erfolgen kann. Zu diesem Zeitpunkt können IgG und IgM noch negativ sein, obwohl bereits eine Infektion stattgefunden hat.
Nach relevantem Kontakt kann deshalb eine Verlaufskontrolle beziehungsweise ergänzende molekularbiologische Diagnostik erforderlich sein. Die AWMF-Leitlinie weist ausdrücklich auf dieses diagnostische Fenster hin.
Wann ist eine Bestimmung besonders sinnvoll?
Eine Antikörperbestimmung kann insbesondere sinnvoll sein:
- bei Kinderwunsch, wenn Du Deinen Immunstatus kennenlernen möchtest,
- in der Schwangerschaft nach Kontakt mit einer an Ringelröteln erkrankten Person,
- bei einem Ringelröteln-Ausbruch im persönlichen oder beruflichen Umfeld,
- bei beruflichem Kontakt zu Kindern,
- bei entsprechenden Beschwerden während der Schwangerschaft oder
- wenn Dein bisheriger Immunstatus nicht bekannt ist.
Ein generelles Parvovirus-B19-Screening aller Schwangeren wird derzeit nicht empfohlen. Bei beruflicher Exposition oder einem konkreten Expositionsverdacht soll der Immunstatus dagegen bestimmt werden.
Was passiert bei einer frischen Infektion in der Schwangerschaft?
Der Nachweis einer frischen Parvovirus-B19-Infektion bedeutet nicht automatisch, dass das ungeborene Kind betroffen ist oder Komplikationen entwickeln wird.
Da mögliche fetale Komplikationen nach der mütterlichen Infektion verzögert auftreten können, sind jedoch gezielte Verlaufskontrollen wichtig.
Bei bestätigter akuter Infektion werden regelmäßige Ultraschall- und gegebenenfalls Doppleruntersuchungenempfohlen. Besonders die Messung der maximalen systolischen Flussgeschwindigkeit in der Arteria cerebri media kann Hinweise auf eine fetale Anämie liefern.
Die meisten fetalen Komplikationen treten innerhalb der ersten acht Wochen nach der mütterlichen Infektion auf, können aber auch später auftreten. Die genaue Überwachung wird deshalb individuell durch die betreuende Frauenärztin beziehungsweise den Frauenarzt und gegebenenfalls ein Pränatalzentrum festgelegt.
Bei einer schweren fetalen Anämie stehen spezialisierte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Durch eine intrauterine Bluttransfusion kann die fetale Sterblichkeit deutlich gesenkt werden.
Gibt es eine Impfung gegen Ringelröteln?
Nein. Gegen Parvovirus B19 steht derzeit keine zugelassene Schutzimpfung zur Verfügung. Auch eine spezifische antivirale Therapie zur Verhinderung einer fetalen Infektion existiert derzeit nicht.
Gerade deshalb kann die Kenntnis des eigenen Immunstatus für Frauen mit Kinderwunsch oder erhöhtem Expositionsrisiko hilfreich sein.
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Die Kombination beider Antikörper ermöglicht eine erste Einordnung, ob eine zurückliegende Infektion mit bestehender Immunität, eine mögliche aktuelle beziehungsweise kürzlich erfolgte Infektion oder keine nachweisbare Immunität vorliegt.
Mit einer einfachen Blutuntersuchung kannst Du Deinen Parvovirus-B19-Immunstatus kennenlernen und erhältst insbesondere bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft oder nach einem Kontakt mit Ringelröteln wichtige Informationen für das weitere Vorgehen.
Bei Hinweisen auf eine frische Infektion während der Schwangerschaft ist eine weiterführende ärztliche und gegebenenfalls molekularbiologische Abklärung erforderlich.
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